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| Ende 2020 habe ich das neue Sony FE 20mm f1.8 G erstmalig in der Panoramafotografie eingesetzt und es bei dieser Gelegenheit mit meinem, für diese Art der Fotografie favorisierten Objektiv, dem Zeiss Loxia 2.8/21mm vergleichen. Ein halbes Jahr später konnte ich mir das relativ preisgünstige Tamron 20mm F/2.8 Di III OSD ausleihen und es somit in meinen Vergleich mit einbeziehen. Da sich an meiner 42 MegaPixel Sony A7R II ähnliche Bildwinkel ergeben (94° beim Sony und Tamron gegenüber 91° beim Zeiss, jeweils diagonal), erschien mir ein Vergleich durchaus sinnvoll. Zudem wird man in der Panoramapraxis mit den gleichen Winkelschritten arbeiten. Bewährt hat sich bei mir eine horizontale Schrittweite von 45° und eine vertikale Schrittweite von 60°. |
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Für das vollsphärische Kugelpanorama ergeben sich so 3 x 8 Aufnahmen plus eine Aufnahme um das Stativ per "Viewpoint Correction" mit der Software PTGui verschwinden zu lassen (siehe oben), also insgesammt 25 Aufnahmen.
Lässt man in der oberen und unteren Zeile jede zweite Aufnahme aus, so ergeben sich 2 x 4 (in der oberen und unteren Zeile) und 8 Aufnahmen für die mittlere Zeile, plus eine Aufnahme, auch hier wieder fürs Stativ, sodass sich insgesammt 17 Aufnahmen ergeben: |
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Das 20mm Tamron kam Anfang 2020 auf den Markt und ist damit das jüngste Superweitwinkel-Objektiv in diesem Vergleich. Es wurde speziell für spiegellose Sony Kameras entwickelt und ist nur mit diesem Anschluss erhältlich. Neben dem niedrigen Preis punktet das Objektiv durch seinen, für Superweitwinkel-Objektive relativ großen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2, dem wetterfesten Design und dem geringen Gewicht. |
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| Über das Zeiss Loxia 2.8/21mm (Bild unten) hatte ich 2019 bereits berichtet und beschrieben, wie ich es für Interieur Aufnahmen von Autos nutze (Link hier). |
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| In einem zweiten Bericht (Link hier) habe ich es mit meinem Zeiss Loxia 2.4/25mm verglichen. Auch heute bin ich nach wie vor von dem 21’er Zeiss überzeugt. Es ist ein hervorragendes Objektiv für die Panoramafotografie, optisch ein Traum, solide verarbeitet und dank abgedichtete Metallkonstruktion staub- und wetterfest. Der manuelle Fokus bleibt dort stehen wo man ihn setzt und die Einstellungen sind von außen am Schärfe- und Blendenring sofort ablesbar. |
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| Anders beim Sony 20mm. Die moderne Konstruktion verfügt zwar auch über einen Blendenring, den man benutzen kann aber nicht muss, die Fokussierung erfolgt aber per Wire, d.h. indirekt über die Kamera. Man dreht also am Fokusring, der nur den Impuls an die Kamera weitergibt, welche dann das Objektiv steuert. Der aktuelle Fokuswert ist am Display (Sucher oder Bildschirm) der Kamera abzulesen, was sehr gut funktioniert und meiner Meinung nach auch praktikabel ist. Ebenso funktioniert das Fokussieren beim Tamron 20mm. Aufgefallen ist mir die größere Übersetzung im Vergleich zum Sony, d.h. längere Einstellwege beim Fokussieren, wohl wegen der Makrofunktion mit nur 11cm Mindestabstand. Im Gegensatz zum Sony Weitwinkel verfügt das Tamron über keinen Blendenring oder Schalter: Alles wird über die Kamera gesteuert. |
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| Der Blendenring am Objektiv rastet in der A-Stellung (bei der die Blende über die Kamera gesteuert wird) besonders fest ein, so dass er kaum versehentlich verstellt werden kann. Darüber hinaus verfügt das Objektiv über einen AF/MF Umschalter und einen „CLICK“-Schaler, der das Einrasten der Blende verhindert, was für den Videobetrieb wichtig ist. Zusätzlich gibt es eine programmierbare Taste z.B. um den Autofokus zu deaktivieren. |
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| Der für mich optimale Fokuswert für die Landschafts- und Panoramafotografie, experimentell mit meiner Sony A7RII ermittelt, beträgt für Blende 11 beim Sony FE 20mm f1.8 G wie auch beim Tamron 20mm F/2.8 Di III genau 3m (Anzeige im Sucher). Die Schärfe reicht dann von etwa 1,2m bis unendlich – ideal für die Panoramafotografie! So habe ich meine Testpanoramen gemacht. Auch wenn sich in mancher App oder Tabelle ein anderer Wert für die hyperfokale Distanz ergibt, habe ich mit meiner Ausrüstung mit dem oben genannten 3m bei f11 die besten Ergebnisse erzielt. |
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| Um es gleich vorwegzunehmen: Optisch nehmen sich die drei Objektive bei der für die Panoramafotografie typischen Blenden f8-f11 nicht viel, Unterschiede sind kaum wahrnehmbar. Alle Weitwinkel bilden extrem scharf und kontrastreich bis in die Ecken ab. Hier zwei Vergleiche, die ich jeweils kurz hintereinander aufgenommen und identisch verarbeitet habe: |
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| Die Zeiss und Sony Objektive verfügen über integrierte Profile, die mit in die RAW-Dateien geschrieben und von gängigen Programmen in der Postproduction (z.B. Adobe Lightroom) ausgelesen werden. Typische Abbildungsfehler wie chromatische Aberration oder Vignettierung sieht man während des Workflows somit kaum noch, vorausgesetzt man hat die entsprechenden Häkchen in der Software gesetzt. Da es für das Tamron 20mm zum Zeitpunkt des Tests noch keine Profile gab, habe ich in Lightroom die Aufnahmen ein wenig manuell optimiert, was gut funktioniert hat. Auffällig ist die relativ starke, tonnenförmige Verzeichnung des Tamron Weitwinkels. Diese habe ich erst später mit Hilfe von PTGui korrigiert, indem ich mehrere vertikale Linien definiert habe, was ziemlich gut funktioniert hat. |
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| In Lightroom korrigiere ich die Verzeichnung, falls die Aufnahmen für Panoramen benutzt werden sollen, grundsätzlich nicht. Dies mache ich erst im nächsten Schritt mit PTGui, indem ich mit dieser Software mindestens zwei vertikale, gerade Linien definiere, welche möglichst lang und weit voneinander entfernt stehen, z.B. Gebäudekanten, Tür- oder Fensterrahmen. Diese finale Softwarekorrektur begradigt nicht nur gebogene Linien, sonders stellt diese auch senkrecht, wichtig, wenn man bei der Aufnahme den Panoramakopf nicht 100%ig ausnivelliert hatte. |
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| Zurück zum Vergleich der Objektive: Unterschiede gibt es beim Sonnenstern, also die Abbildung von Punktlichtquellen, bedingt durch die unterschiedliche Anzahl der Blendenlamellen: Das Sony hat 9 Blendenlamellen und erzeugt 18 Strahlen, das Tamron verfüght über 7 Blendenlamellen mit 14 Strahlen und das Zeiss hat 10 Blendenlamellen und erzeugt somit 10 Strahlen. |
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| Im direkten Vergleich, wenn man je eine Aufnahme des einen und des anderen Objektivs in der 1:1 Ansicht nebeneinander auf dem gleichen Bildschirm betrachtet, fällt einem der leichte Größenunterschied auf, der sich mit den nicht ganz identischen Bildwinkeln der Weitwinkelobjektive erklären lässt (91° beim Zeiss gegenüber 94° beim Sony und Tamron). Dementsprechend unterscheiden sich auch die maximalen Größen der fertigen, vollsphärischen Panoramen. Mit meiner 42 MPixel Vollformatkamera ergaben sich 29796 x 14858 Pixel beim Zeiss, 26738 x 13369 Pixel beim Sony und 27174 x 13587 Pixel beim Tamron Objektiv. Generell kann man sagen, je länger die Brennweite, desto größer die fertigen Panoramen, die „Pixel pro Bildwinkel“ sind also ausschlaggebend. |
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| Mit f1.8 ist das Sony besonders lichtstark, d.h. für kreative Projekte und auch für Astronomie Fotographie hervorragend geeignet. Die Zeiss und Tamron Weitwinkel sind mit f2.8 eine Blendenstufe lichtschwächer, d.h. in der Astronomie-Fotografie muss man mit dem doppelten ISO-Wert arbeiten. Hier punktet also das Sony; auch Abbildungsfehler wie Koma sind bei offener Blende kauf vorhanden. Hier getestet bei f1.8, ISO 2500 und jeweils 10 Sekunden Belichtungszeit (10 Aufnahmen in 2 Zeilen). |
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| In Anbetracht der hohen Lichtstärke ist das Sony Objektiv relativ leicht (knapp 400g) und kompakt (85mm lang mit einem Filtergewinde von nur 67mm). Das Zeiss Loxia 2.8/21mm wiegt etwa genau so viel, hat aber kleinere Abmaße.Das Tamron bringt nur 280g auf meine Küchenwaage, da der Tubus hauptsächlich aus Kunststoff besteht. |
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Naheinstellgrenze: Der Mindestabstand des Sony FE 20mm f1.8 G beträgt nur 18cm beim manuellen Fokussieren, 19cm im AF-Betrieb. Zum Vergleich:
Das Tamron schafft beachtliche 11cm und kann mit einem max. Abbildungsmaßstab von 1:2 schon fast als Makroobjektiv bezeichnet werden. Das Zeiss Loxia 2.8/21mm fokussiert erst ab 25cm.
Das Sony Objektiv besitzt einen leisen, schneller Autofokus, d.h. ist für Video und in der Sport- und Reportagefotografie gut einsetzbar.
Das Tamron „pumpt“ gelegentlich und ist deutlich hörbar, was in der Fotografie noch akzeptabel ist, im Videobetrieb jedoch stört. In der Panoramafotografie würde ich eher manuell fokussieren, was beim Zeiss wegen der deutlich besseren Haptik viel mehr Spaß macht!
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| Für den Videobetrieb haben das Sony und Zeiss Weitwinkel einen „deklickbarer“ Blendenring für das stufenloses Verstellen der Blende im Videobetrieb. Für mich persönlich eher uninteressant, da ich die Blende bei Videos selten verstelle.
Für den Outdoor-Einsatz bei schlechtem Wetter besitzen alle drei Objektive Dichtungen u.a. am Bajonett, die für Staub- und Feuchtigkeitsbeständigkeit sorgen.
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Das Zeiss Loxia 2.8/21mm ist für mich weiterhin die Nummer 1 wenn es um reine Landschafts- und Panoramafotografie geht. Die Bildqualität ist überragend, die Haptik und Verarbeitung sind auf höchstem Niveau - genauso wie der Preis. Von allen drei Objektiven besitzt es den schönsten Sonnenstern (meine persönliche Meinung) und hat weniger Flares im Gegenlicht als vergleichbare Objektive. Hier ein Beispielpanorama.
Das Sony FE 20mm f1.8 G kommt an die Abbildungsqualität des Zeiss Objektivs bei gleicher Blende sehr nahe heran, bietet darüber hinaus jedoch die bessere Lichtstärke bei gleichem Gewicht und ist somit auch für Astropanoramen eine hervorragende Wahl. Wegen des schnellen Autofokus ist es auch für Videos eine interessante Brennweite, vor allem bei geöffneter Blende. Wer also nicht nur Panoramafotografie betreibt, dem sei dieses Objektiv wärmstens empfohlen. Ich habe es gekauft! Hier ein Beispielpanorama.
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| Das Tamron 20mm F/2.8 Di III OSD ist der Preis/Leistungssieger! Abgeblendet, was in der Panoramafotografie ja praktikabel ist, auf gleichem Niveau wie die anderen Kandidaten mit ein wenig mehr Kontrast. Die starke tonnenförmige Verzeichnung lässt sich beim Stitchen mit PTGui gut auskorrigieren. Die Makrofähigkeit mit einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2 machen das Objektiv für Panorama-Experimente im Nahbereich interessant. Gut gefallen hat mir, dass die Frontlinse im Tubus nach hinten versetzt ist, dies hat die Wirkung einer zusätzlichen Gegenlichtblende und schützt die Frontlinse. Der Tubus ist aus wertigem Kunststoff, das Bajonett aus Metall gefertigt. Das Objektiv ist mit 280g (mit beiden Deckeln und Gegenlichtblende auf meiner Küchenwaage) besonders leicht und somit die ideale Wahl für Reisen. Hier ein Beispielpanorama. |
| Übrigens, neben Objektiven kann man auch Jahreszeiten gut per Panorama miteinander vergleichen ;-) |
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Meine Beispielpanoramen habe ich folgender Ausrüstung gemacht:
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Bei den affiliate Links handelt es sich um „bezahlte Werbung“ zu Amazon, mit denen ich diese Website finanziere.
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Jan Röpenack, November 2021
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