Panoramen mit dem Sony FE 12-24 mm 4 G und Sony FE 16-35 mm 2.8 GM
Im Herbst und Winter 2017 hatte ich die Gelegenheit, die brandneuen Sony Weitwinkelzooms FE 12-24 mm 4 G (SEL1224G) und FE 16-35 mm 2.8 GM (SEL1635GM) an meiner Sony Alpha 7RII auszuprobieren und auch ein paar Panoramen damit zu erstellen. Für die Panoramafotografie sind die beiden Superweitwinkelzooms prädestiniert: Zum einen, da man bedingt durch den riesigen Bildwinkel, ein vollsphärisches Kugelpanorama mit besonders wenigen Aufnahmen schafft, zum anderen, da die modernen Konstruktionen des renommierten Herstellers höchste optische Qualität versprechen und genau auf das Gehäuse abgestimmt sind. Viele Fotografen, und ich gehöre auch dazu, kommen ja aus einem anderen System und nutzen das Gehäuse noch mit Objektiven anderer Hersteller mittels eines Adapters. Jetzt, da Sony das eigene System mehr und mehr ausbaut und auch Spezialiäten wie extreme Weitwinkel liefert, wäre es also an der Zeit, sich diese genauer anzusehen.


Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Das FE 12-24 mm 4 G besitzt ein Kunststoffgehäuse, welches einen hochwertigen, robusten und gewichtsoptimierten Eindruck macht. Das Bajonett, welches mechanisch wohl am meisten beansprucht wird, ist natürlich aus Metall gefertigt. Aufgrund des riesigen, diagonalen Bildwinkels von 122 Grad bei 12mm Brennweite besitzt es kein Filtergewinde und die Gegenlichtblende ist fest verbaut. Auf meine Küchenwaage bringt es 574g, die Höhe habe ich mit 128 mm gemessen.
Sony FE 12-24 mm 4 G
Anders beim Sony FE 16-35 mm 2.8 GM, hier kann die Gegenlichtblende abgenommen und ein 82mm großer Filter aufgeschraubt werden, oder alternativ ein Filterhalter für rechteckige Filter mit 100mm Breite. Auch dies habe ich bei 16mm Brennweite probiert und trotz 3 montierter Filter, keinerlei Vignettierung festgestellt (Ergebnis hier). Der diagonale Bildwinkel ist mit 107 Grad zwar auch riesig, aber dennoch kleiner als beim FE 12-24 mm 4 G. Das Gehäuse ist aus Metall gefertigt und besitzt eine griffige Gummierung. Um das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit zur vermeiden ist das Objektiv mit Gummidichtungen am Schalter und dem Bajonett versehen. Im Gegensatz zum 12-24 führt das 16-35 das M im Namen, was für „Master“ steht. Hier hat sich der Hersteller nicht nur bei der optischen Konstruktion besonders viel Mühe gegeben, sondern auch ein robustes Werkzeug für Profis gebaut. Auf meine Waage bringt es 740g. Es ist etwa 140mm lang, wobei für die Gegenlichtblende nochmal 30mm dazu kommen.
Sony FE 16-35 mm 2.8 GM

Kommen wir zu den Gemeinsamkeiten: Beide Linsen können extrem große Bildwinkel abbilden, sind aber dennoch keine Fisheye-Objektive, d.h. hier wurde die Verzeichnung jeweils aufwendig korrigiert, sodass gerade Linien des Motivs auch gerade abgebildet werden.

Wie bei fast allen E-Mount Objektiven verfügen beide Linsen über keine Entfernungsskala am Objektiv, wohl aber über einen AF-MF Schalter. Wird dieser auf manuellen Fokus (MF) gestellt, erscheint im Sucher die eingestellte Entfernung. Beim Drehen am Fokusring wird diese Bewegung an den präzisen und lautlosen Fokusmotor weitergegeben. Für die Panoramafotografie, bei der der Fokus innerhalb der Aufnahmesequenz nicht verändert werden sollte, ist das Arbeiten im MF-Betrieb somit absolut reproduzierbar und praxisgerecht.

Beide Objektive besitzen darüber hinaus jeweils eine Fokushaltetaste, die über das Kameramenü angepasst und mit einer Vielzahl von Funktionen belegt werden kann.

Meine Erfahrungen mit dem Sony FE 12-24 mm 4G
Riesiger Bildwinkel bedeutet wenig Aufnahmen für ein komplettes vollsphärisches Panorama, also habe ich es mal mit 12 Aufnahmen probiert: 6 Aufnahmen auf den Horizont ausgerichtet und jeweils 60° weitergedreht, mein Novoflex VR-System 6/8 besitzt da ja eine schöne Rastung, dann vertikal um 45° nach oben geschwenkt und 3 Aufnahmen im Abstand von 120° bei jeder zweiten Rastung gemacht. Anschließend 3 weitere Aufnahmen in der -45° Stellung nach unten. Ach ja, für die Stativretusche bzw. PTGui Viewpoint Correction noch ein Bodenbild von außerhalb.
Das Sony FE 12-24mm 4 G an der Alpha 7RII am Novoflex VR-System 6/8

Mit dieser Abfolge hat man reichlich Überlappung, sodass man auch in der belebten Innenstadt kein Problem mit umherlaufenden Passanten hat.

Stitchen mit PTGui

Beim späteren Stitchen mit PTGui ist darauf zu achten, dass man der Software mitteilt, dass es sich um ein „normales“ Objektiv handelt, ansonsten nimmt die Software aufgrund der 12mm Brennweite an, es würde sich um ein Fisheye handeln, was natürlich falsch wäre.

PTGui Lens Parameters beim Sony FE 12-24mm 4 G
Meine so erzeugten Panoramen (Sony Alpha 7RII mit 12mm Superweitwinkelobjektiv) haben jeweils etwa 16808 x 8404 Pixel = 141 MegaPixel.
PTGui Pro 12 Workshop Viewpoint Correction Den kompletten Workflow, der zeigt wie ich aus den 13 Einzelaufnahmen das vollsphärische Panorama inklusive Viewpoint Correction mit PTGui 12 Pro erstelle finden Sie übrigens auf meinem Youtube Kanal hier
Optische Qualität
Finde ich super, Kontrast, Gegenlichtverhalten, Schärfe und Detailauflösung auf höchstem Niveau. Keine chromatische Aberration in Form von Farbsäumen. Natürlich weiß niemand wie die optische Leistung in Wirklichkeit ist, da selbst bei den RAW-Aufnahmen ein Profil mit eingearbeitet wird, sprich die Kamera kennt dieses Objektiv und korrigiert optische Fehler selbstständig. Aber egal, was zählt ist das Ergebnis und das kann sich sehen lassen. Zwei Testaufnahmen, von mir unbearbeitet und in voller Auflösung finden Sie in meinem flickr Album hier.


Meine Erfahrungen mit dem Sony FE 16-35 mm 2.8 GM
Bei meinem Panoramatest habe ich die klassische Schrittweite bei 16mm Brennweite verwendet: 8 Aufnahmen auf den Horizont ausgerichtet, 45° nach oben und 4 Aufnahmen im Abstand von 90° gemacht und anschließend 4 Aufnahmen bei -45° vertikal. Funktionierte wie gewohnt problemlos.
Das Sony FE 16-35mm 2.8 GM an der Alpha 7RII am Novoflex VR-System 6/8

Hier ein Ergebnis: Das Panorama besteht aus 22132 x 11066 Pixel = 245 MegaPixel.

Panorama mit dem Sony FE 16-35mm 2.8 GM bei 16mm Brennweite
Um die Auflösung zu steigern machte ich weitere Panoramen bei 24mm Brennweite, wobei ich mit 3 Zeilen mit jeweils 10 Aufnahmen arbeitete. Die gleiche Anzahl der Aufnahmen pro Zeile erleichtern das Arbeiten mit der PTGui-Funktion „Align to Grid“. Dieses Vorgehen würde ich immer dann empfehlen, wenn man im oberen Bereich keine scharfen Strukturen mehr hat, wie z.B. hier nur noch Himmel. Das so erzeugte Panorama hat übrigens beachtliche 32984 x 16492 Pixel = 544 MegaPixel, also etwas mehr als ein halbes Gigapixel!

Panorama mit dem Sony FE 16-35mm 2.8 GM bei 24mm Brennweite
Die optischen Qualität ist rein subjektiv betrachtet genauso gut wie beim vorher getesteten 12-24, perfekt um es auf den Punkt zu bringen. Einzelaufnahmen aus den obigen Panoramen finden Sie in voller Auflösung in meinem flickr Album hier.

Visuelle Unterschiede
Abgesehen von den Bildwinkeln unterscheiden sich die beiden Objektive in der Darstellung von Punktlichtquellen. Die Sonne wird beim Sony FE 12-24 mm 4 G aufgrund der Blende mit 7 Lamellen als 14 strahliger Stern dargestellt, wobei sich die Strahlen ausweiten. Beim Sony FE 16-35 mm 2.8 GM sind es aufgrund der aufwendig konstruierten Blende mit 11 Lamellen ganze 22 Strahlen, die etwas spitzer zulaufen, was mir persönlich etwas besser gefällt. Dies ist aber natürlich Geschmackssache.

Lensflares kommen bei 12-24 im harten Gegenlicht schon einmal vor. Beim 16-35 sind es deutlich weniger. Oft sind diese recht klein und farbig (rechts in den Ästen zu erkennen)

Sonnenstern und Lensflares beim Sony FE 12-24 und Sony FE 16-35
Mein Fazit
Beide Objektive sind ganz hervorragend für die Panoramafotografie geeignet.

Das Sony FE 12-24 mm 4 G besitzt an einer Vollformatkamera den idealen Bildwinkel: 12mm um mit möglichst wenig Aufnahmen zum vollsphärischen Kugelpanorama zu kommen und 24mm am anderen Ende um ein wirklich hoch aufgelöstes Ergebnis zu erzielen, in das man weit hineinzoomen kann. An der Sony Alpha 7RII sind es mehr als ein halbes Gigapixel!
Optisch ist es ganz hervorragend auskorriegiert, ein modernes Objektiv, das zeigt, was heute technisch machbar ist. Im Vergleich zur Konkurrenz z.B. dem Canon EF 11-24mm f/4L USM ist es zudem deutlich kompakter und leichter (574g gegenüber 1180g), was die Handhabung enorm vereinfacht.

Das Sony FE 16-35 mm 2.8 GM besitzt zwar nicht den extremen Bildwinkel am unteren Ende des Zoombereichs und man muss 4 Aufnahmen mehr machen um die Kugel zu schließen, am oberen Ende, bei längeren Brennweiten, hat man aber das Potential um riesige Panoramen zu erstellen, vorausgesetzt es handelt sich um ein "ruhiges" Motiv. Zudem ist es sehr vielseitiger, d.h. auch außerhalb der Panoramafotografie hervorragend einsetzbar. Dank seiner hohen Lichtstärke eignet es sich z.B. sehr gut für Reportagen und in der Landschaftsfotografie können Filter verwendet werden. Das Gehäuse ist etwas robuster und das Bajonett mit einer Gummidichtung versehen. Ideale Voraussetzungen für ein Reise- bzw. Outdoorzoom, an dem man viele Jahre Freude hat.

Beide Objektive sind leider nicht ganz billig, dafür aber perfekt auf das Sony-System abgestimmt.

Zum Schluss die Sammlung meiner Testpanoramen:

Sony FE 12-24 mm 4 G Panoramen
Sony FE 16-35 mm 2.8 GM Panoramen
Im Online-Handel finden Sie die Objektive hier:
Jan Röpenack, Februar 2018
Home News Beispiele Aufnahme Geräte Software Workshop Tips Links Impressum Datenschutz