Die neuen Zeiss 18 mm und 21 mm Superweitwinkel in der Panoramafotografie - ein Praxistest

Wer als Panoramafotograf im aktuellen Canon Programm nach einer sehr kurzen Festbrennweite in wirklich überzeugender optischer Qualität sucht, hat nicht gerade viel Auswahl. Da wäre z.B. das neue Canon TS-E 4/17 L, von dem man nur Gutes hört. Die Tilt/Shift-Funktion und die kurze Brennweite machen dieses Objektiv einzigartig – leider auch sehr teuer. Für die Panoramafotografie ist die Shift-Funktion nicht unbedingt nötig, denn „stürzende Linien“ lassen sich auch mittels der Stitchsoftware hervorragend korrigieren. Wie man so etwas macht hatte ich 2007 bereits beschrieben. Gut, wer lieber gleich bei der Aufnahme korrigiert und die nötige Investition nicht scheut, wird sicherlich mit dieser Optik glücklich.

Dann wäre da noch das EF 2,8/20 mm USM, das 1992 konstruiert wurde - als es noch keine digitalen Spiegelreflex Kameras gab - und das heute nicht unbedingt den besten Ruf bzgl. optischer Qualität besitzt.

Neu und hervorragend soll dagegen das CANON EF 1,4/24 L II USM mit seiner innovativen SSC Vergütung sein. Da man beim Fotografieren von Panoramen eher abblendet ist solch eine hohe Lichtstärke nicht unbedingt erforderlich – ein Feature also, was das Objektiv vor allem teuer macht. Außerdem ist es, genau wie das EF 2,8/24 mm mit alter Rechnung von 1988, nicht mehr ganz so weitwinklig.

Diese Lücke füllen die neuen Carl Zeiss Objektive Distagon T* 3,5/18 mm und T* 2,8/21 mm, die seit kurzem auch mit dem Canon EF-Bajonett in der ZE Version verfügbar sind. Ende 2009 hatte ich Gelegenheit, diese Objektive in der Praxis zu testen und mit meinem, für die Panoramafotografie bewährten Canon EF 4/17-40 L USM zu vergleichen. Und dies an meiner Canon EOS 5D Mk II mit 21,1 MPixel Vollformatsensor.

Die Testkandidaten: Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm, T* 2,8/21 mm und Canon EF 4/17-40 L USM
Die Testkandidaten: Canon EF 4/17-40 L USM, Zeiss Distagon T* 2,8/21 mm und T* 3,5/18 mm

Mein Test

war ein reiner Praxistest, kein wissenschaftlicher Test und auch kein Test der alle möglichen Einsatzgebiete und Kriterien berücksichtig. Ich wollte lediglich wissen, wie gut sich die beiden Zeiss Objektive für die Panoramafotografie eignen. Dies bedeutet: Keine Blendenreihen, nur die, für die Panoramafotografie relevanten Bereiche, keine Testtafeln, nur echte Motive, so wie sie in der Praxis vorkommen.

Manueller Fokus
Zunächst einmal: Die Zeiss Objektive sind manuell zu fokussieren, d.h. beim Druck auf die AF-ON Taste, bzw. Antippen des Auslösers passiert erstmal nichts – und daran muss man sich erst einmal gewöhnen.

Allerdings, wenn man oben genannte Tasten drückt und gleichzeitig am breiten, weich laufenden Einstellring des Objektivs dreht, leuchten bestimmte AF-Felder im Sucher auf, sobald die dort Kamera Schärfe erkennt. Ist die Kamera entsprechend eingestellt, kann man sich dies auch mit einem Piepton bestätigen lassen. Eine pfiffige Fokussierhilfe also, die einem den Einsatz einer speziellen Mattscheibe erspart. Insgesamt verhält sich solch ein Zeiss Objektiv genau wie ein original Canon Autofokus Objektiv, welches man am Tubus auf MF (manuellen Fokus) gestellt hat. Dies bedeutet auch, dass die Blende komplett von der Kamera gesteuert wird und damit ist dies eine weitaus bessere Lösung, als wenn man beispielsweise ein Nikon- oder Leica R Objektiv per Adapter an ein Canon Gehäuse setzt.

Der Fokussierring des Zeiss Distagon T* 2,8/21 mm
Der breite Fokussierring des Zeiss Distagon T* 2,8/21 mm

Äußerer Eindruck
Das Finish und die Mechanik machen einen sehr soliden Eindruck. Die Objektive sind komplett aus Metall und Glas gefertigt – kein Kunststoff, aber auch keine Gummidichtungen. Die Einstellringe sind breit und laufen weich und gleichmäßig.
Zeiss 3,5/18mm und Zeiss 2,8/21mm
Beim Anheben des Fotorucksacks spürt man sofort, ob ein Zeiss Objektiv mit dabei ist, denn die Objektive sind schwer: 783 Gramm bringt das 2,8/21mm Zeiss Objektiv auf meine Küchenwaage, inkl. beiden Deckeln und der Gegenlichtblende aus Metall, welche sich im Lieferumfang befindet. Beim 3,5/18mm sind es 573 Gramm.

Canon EF 4/17-40
Zeiss 3,5/18 mm
Zeiss 2,8/21 mm
Gewicht ink. Zubehör
(eigene Messung)
532 g
573 g
783 g
Gegenlichtblende
Kunststoff,
im Lieferumfang
Metall,
im Lieferumfang
Metall,
im Lieferumfang
Filterdurchmesser
77 mm
82 mm
82 mm
Naheinstellgrenze
0,28 m
0,30 m
0,22 m
Nodalpunkt

Das Zentrum der Eintrittspupille (Nodalpunkt), sprich der Punkt um den bei der Panoramafotografie gedreht werden sollte, befindet sich bei allen getesteten Objektiven kurz hinter der Frontlinse in Richtung Kamera.
Das Zeiss 2,8/21 mm ist ein relativ langes Objektiv und so muss die Kamera, genau wie beim Canon EF 4/17-40 L USM relativ weit nach hinten wandern (Bild rechts). Ein stabiler Aufbau und ein solider Panoramakopf sind also erforderlich. Glücklicherweise hat mein Novoflex VR-System PRO II damit keinerlei Probleme. Ich kann sogar gerade noch meine kurze, obere Klemmplatte (15,5 cm statt 18,5 cm wie normalerweise im Lieferumfang) verwenden. Da das Zeiss 3,5/18 mm kompakter und kürzer als die anderen Objektive baut, muss man hier nicht soweit nach hinten (Bild unten), zusammen mit dem geringeren Gewicht ein kleiner Vorteil gegenüber den anderen Objektiven.

Zeiss Distagon T* 2,8/21 mm in Nodalpunktstellung
Zeiss Distagon T* 2,8/21 mm in Nodalpunktstellung

Optische Qualität
Digitale Panoramafotografie braucht scharfe Strukturen, im Vorder- wie im Hintergrund. Nur so funktioniert die Stitchtechnik.

Aus diesem Grund blendet man relativ weit ab um eine große Tiefenschärfe zu erzielen. Übertreiben sollte man dies jedoch nicht, denn mit komplett geschlossener Blende handelt man sich wiederum Probleme mit Vignettierung (Randabschattung) und Beugungsunschärfe ein. Aus diesem Grund bevorzuge ich, je nach Motiv und Brennweite, Blenden zwischen 8 und 14.

Für meinen Test habe ich mich deshalb meist für die Blende 14 entschieden und den Fokus auf etwa 15m gestellt, so wie man es in der Praxis auch machen würde. Vom selben Standpunkt habe ich bei einheitlicher Verschlusszeit und Weissabgleich jeweils eine Aufnahme mit allen drei Objektiven an meiner Canon EOS 5D Mk II gemacht. Natürlich vom Stativ und mit Spiegelvorauslösung um Verwacklungsunschärfe auszuschließen.

Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm in Nodalpunktstellung
Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm in Nodalpunktstellung

Auch die anschließende, kamerainterne Verarbeitung (Bildstil: Standard, JPG in Größe L) wurde von mir nicht verändert. Mir kam es vor allem darauf an, einheitliche Parameter zu verwenden, sodass man die Ergebnisse miteinander vergleichen kann. Als Referenzobjektiv benutzte ich mein Canon EF 4/17-40 L USM.

Ich möchte hier nicht die maximal zu erreichende Qualität darstellen, da diese nur mit den für die Panoramafotografie praxisfremden Einstellungen (z.B. Blende 5,6 und Fokus auf Unendlich) zu erreichen ist.

Vergleich Zeiss 18mm mit Canon 17-40
Übersicht Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm
f14, 100% Ausschnitt*
Canon 4/17-40 L USM bei 18 mm
f14, 100% Ausschnitt*
Übersicht Zeiss 18mm, 100% Ansicht Canon 17-40 bei 18mm, 100% Ausschnitt
Übersicht Zeiss 18mm, 100% Ansicht Canon 17-40 bei 18mm, 100% Ausschnitt
Übersicht Zeiss 18mm, 100% Ansicht Canon 17-40 bei 18mm, 100% Ausschnitt
Übersicht Zeiss 18mm, 100% Ansicht Canon 17-40 bei 18mm, 100% Ausschnitt
Vergleich Zeiss 21mm mit Canon 17-40
Übersicht Zeiss Distagon T* 2,8/21 mm
f14, 100% Ausschnitt*
Canon 4/17-40 L USM bei 21 mm
f14, 100% Ausschnitt*
Übersicht Zeiss 21mm, 100% Ansicht Canon 17-40 bei 21mm, 100% Ausschnitt
Übersicht Zeiss 21mm, 100% Ansicht Canon 17-40 bei 21mm, 100% Ausschnitt
Übersicht Zeiss 21mm, 100% Ansicht Canon 17-40 bei 21mm, 100% Ausschnitt
Übersicht Zeiss 21mm, 100% Ansicht Canon 17-40 bei 21mm, 100% Ausschnitt
*100% Ausschnitt bedeutet, daß ein Pixel der Kamera genau einem Pixel Ihres Monitors entspricht, nur so ist Schärfe wirklich zu beurteilen
Schärfe

Alle drei Objektive zeigen in der Bildmitte eine hervorragende Schärfe. Unterschiede sind kaum zu erkennen. Am Bildrand zeigt sich eine geringfügig bessere Schärfe zugunsten des Zeiss Distagon 2,8/21 mm im Vergleich zum Canon 4/17-40 L USM bei gleicher Brennweite.

Und sonst...

...sind die Zeiss Objektive farblich etwas wärmer als bei Canon abgestimmt. Die unterschiedliche Helligkeit am Bildrand (siehe im letzten Vergleich) erklärt sich dadurch, dass die EOS 5D Mk II beim EF 4/17-40 L USM eine Vignettierungskorrektur durchführt, da die Kamera hierfür ein spezielles Profil hat. Bei Objektiven von Fremdherstellern jedoch nicht. Da dies ein Praxistest ist und da man in der Praxis die Korrektur des Canon Objektives gerade in der Panoramafotografie nutzen würde, habe ich dieses Feature nicht abgeschaltet.

Geometrische Zusammenhänge
Gleiche Winkel ergeben unterschiedliche Abstände auf dem Sensor, daher die Verzerrung am Bildrand

Zurück zur Schärfe: Man sollte auf keinen Fall das 18 mm mit dem 21 mm Zeiss Objektiv am Bildrand vergleichen. Denn dieser Vergleich "hinkt" gewaltig. Denn nicht nur, dass vom selben Aufnahme-Standpunkt der Abbildungsmaßstab ein anderer ist (die selben Motivbestandteile werden unterschiedlich groß abgebildet), sondern auch deswegen weil der „Superweitwinkeleffekt“, sprich das Auseinanderziehen des Motivs am Bildrand bei extrem kurzen Brennweiten viel stärker zum Tragen kommt als bei nicht ganz so großen Bildwinkeln. Dadurch wirken extreme Weitwinkel am Bildrand immer etwas unschärfer als Objektive mit längeren Brennweiten. Dies hat allerdings nichts mit der Qualität der jeweiligen Optik zu tun, sondern ist quasi systembedingt.

Würden wir nicht auf einen flachen Sensor, sondern auf eine Kugeloberfläche abbilden, würde das Problem gar nicht erst entstehen.

Das "Strecken" des Motivs am Rand bei Superweitwinkelobjektiven kann man natürlich auch kreativ nutzen um z.B. bestimmte Partien des Motivs besonders zu betonen, wie z.B. hier die Front des Ferraris.

Geometrische Zusammenhänge
Würden wir auf einer Kugeloberfläche abbilden (wie z.B. im menschlichen Auge) würde obiger Effekt nicht auftreten.

Obige Abbildungen sind stark vereinfacht und stellen nur die geometrischen Zusammenhänge, nicht den Strahlengang eines Objektives dar.
Eine Aufnahme mit dem Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm
Eine Aufnahme mit dem Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm.

Chromatische Abberation
Ein wirklicher Abbildungsfehler, der gerade im Randbereich bei Superweitwinkel- und besonders bei Fisheyeobjektiven in Erscheinung tritt, nennt sich Chromatische Abberation, Farblängsfehler oder Purple Fringing. Er zeigt sich durch Farbsäume an kontrastreichen Kanten und lässt sich per Software einigermaßen in den Griff bekommen.
Übersicht Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm
300% Ausschnitt
Tokina AF 3,5/17 AT-X Pro
300% Ausschnitt*
Chromatische Abberation Übersicht Chromatische Abberation beim Zeiss 3,5/18mm Chromatische Abberation beim Tokina AF 3,5/17 AT-X Pro
Glücklicherweise hält sich dieser Effekt bei den Zeiss Objektiven, wie auch bei meinem Canon EF 4/17-40 L USM in Grenzen, deutlich unter einen Pixel. Nur bei meinem alten Tokina AF 3,5/17 AT-X Pro (wird nicht mehr gebaut) ist dieser Effekt etwas ausgeprägter.

Auch der Helligkeitsabfall zum Rand hin ist bei allen Objektiven im getesteten Blendebereich (8-14) kein wirkliches Problem. Er hält sich mit weniger als 1 EV in engen Grenzen. Beim Canon EF 4/17-40 L USM macht meine EOS 5D Mk II eine Vignettierungskorrektur zudem per Software, und dies quasi vollautomatisch in Sekundenbruchteilen nach der Aufnahme.

Alternativ kann man dies vom Canon RAW Konverter erledigen lassen. Wer mit der neuesten Version von PTGui oder PanoramaStudio 2 arbeitet wird hier ebenfalls vor keine größeren Probleme gestellt. Denn diese Stitchprogramme können den ohnehin geringen Randabfall sehr gut beim Erstellen eines Panoramas korrigieren.

Screenshot: PTGui-Vignettierungskurzve des Zeiss Distagon T* 2,8/21mm bei Blende 14

Dunkle Streifen im Himmel, so wie ich es aus den Anfängen der digitalen Panoramafotografie noch gut kannte, gehören also endgültig der Vergangenheit an. Hier mein nicht mehr ganz so aktueller Beitrag aus dem Jahre 2005.

Verzeichnung

Das Verbiegen von geraden Linien ist bei meinem Canon EF 4/17-40 L USM im unteren Brennweitenbereich und bei näheren Aufnahmedistanzen ein echtes Problem. Diese tonnenförmige Verzeichnung lässt sich mit dem Canon RAW Konverter allerdings vollständig auskorrigieren.

Kaum Verzeichnung beim Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm
Kaum Verzeichnung beim Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm

Bei den beiden Zeiss Objektiven ist die Verzeichnung hingegen optisch ganz gut korrigiert und fällt, wenn überhaupt sichtbar, leicht wellenförmig aus, was typisch für Festbrennweiten ist. Einen Unterschied zwischen dem 18 mm und dem 21 mm Zeiss Objektiv konnte ich nicht feststellen.

Beim Stitchen der Einzelbilder mit PTGui kann man der Verzeichnung entgegenwirken, in dem man unter „Control Points“ im „Advanced Modus“ ein paar vertikale, horizontale oder auch schräge Linien definiert. Mit horizontalen und vertikalen Linien kann man gleichzeitig das Motiv gerade rücken um „stürzende Linien“ zu vermeiden, was man bei Architekturaufnahmen ohnehin machen wird.

Hinweis

Hierbei geht es nicht um die Korrektur von Verbiegungen, die von der Projektion herrühren und z.B. dann entstehen, wenn man ein Zylinderpanorama auf einem flachen Bildschirm darstellt. Hier geht es nur um das Einzelbild vor dem Stitchen. Wenn man dagegen im Panorama gerade Linien auf einem flachen Bildschirm „gerade“, also unverbogen sehen möchte, muss man das Panorama in der Flächenprojektion ausgeben oder einen entsprechenden Panorama-Player (z.B. Apple Quicktime) benutzen.

Gegenlichtverhalten

In der Panoramafotografie – wenn man mit großen Bildwinkeln arbeitet - lässt es sich manchmal nicht vermeiden, die Sonne mit ins Bild zu nehmen. Lensflares, Streulicht und Reflexe sind dann Probleme, denen man sich stellen muss.

Zunächst einmal: Alle drei getesteten Objektive halte ich für relativ unproblematisch. Reflexe lassen sich zwar nicht komplett vermeiden, halten sich aber in Vergleich zu anderen Objektiven dieser Klasse in sehr engen Grenzen. Befindet sich beispielsweise nur ein wenig Astwerk oder eine dünne Schleierwolke vor der Sonne, so treten Lensflares quasi gar nicht mehr auf.

Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm Zeiss Distagon T* 2,8/21 mm

Beim direkten Blick in die Sonne zeigt mein Canon EF 4/17-40 L USM einen leicht unscharfen, 14 strahligen Sonnenstern (Bild unten links). Lensflares treten nur bei ungünstigen Winkeln zur Sonne in Form von mehreren kleinen, relativ unscharfen Punkten oder Punktwolken auf. In bestimmten Situationen kann dies zu einem Problem werden, deshalb empfehle ich, die Aufnahmen sofort vor Ort noch mit Hilfe der Kamera zu kontrollieren. Verändert man in solch einem Fall den Winkel zur Sonne nur ein klein wenig, so kann man sich größere Probleme ersparen. Auch nicht ganz einfach sind mehrere, sehr starke Punktlichtquellen, wenn man nachts oder zur blauen Stunde fotografiert.

Übrigens: Die Anzahl und Beschaffenheit der Sonnenstrahlen ist abhängig von der Anzahl und Form der Blendenlamellen im jeweiligen Objektiv und somit durchaus ein Qualitätskriterium.

Schöner zeigt sich der Sonnenstern bei den Zeiss Objektiven. Das Distagon 3,5/18 mm hat einen relative scharfen, 18 strahligen Stern und zeigt meist jeweils 2-3 große und kleine Lensflares. Auch Spiegelungen der Sonne z.B. auf metallischen Flächen sehen sehr schön aus.

Sonnenstern und typische Reflexe bei Blende 14
Sonnenstern beim Canon EF 4/17-40 L USM Sonnenstern beim Zeiss 3,5/18mm Sonnenstern beim Zeiss 2,8/21mm
Canon EF 4/17-40 L USM
Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm
Zeiss Distagon T* 2,8/21 mm
Gegenlichtspiegelung der Sonne beim Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm
Gegenlichtspiegelung der Sonne beim Zeiss 3,5/18 mm

Ähnlich sieht der Sonnenstern beim Distagon 2,8/21 mm aus. Hier dominieren nur kleine Lensflares, die in geringer Zahl vorkommen. Ab und zu erhält man auch einen farbigen Reflex.

Mir persönlich gefällt dieses Gegenlichtverhalten am besten, denn mit etwas Retusche lassen sich die Reflexe schnell entfernen.

Tipp

Zunächsteinmal: Bei Gegenlichtaufnahmen sind Filter vor dem Objektiv absolut tabu! Das Herunterschrauben von Schutz-, UV- , Pol- oder sonstigen Filtern verringert die Anzahl der Lensflares erheblich. Probieren Sie es einmal aus!

Um verbleibende Lensflares so weit wie möglich zu unterdrücken sorgen Sie dafür, dass Sie nur eine „problematische“ Aufnahme innerhalb der Serie erhalten, d.h. fangen Sie mit dem „Sonnenbild“ an und nehmen Sie die Sonne nach Möglichkeit genau in die Mitte. Um Streiflicht in den benachbarten Aufnahmen zu vermeiden sollten Sie grundsätzlich die Gegenlichtblende verwenden. Kontrollieren Sie alle problematischen Bilder direkt vor Ort mit Hilfe der Kamera und wiederholen Sie ggf. die Aufnahmen mit einem geringfügig anderen Winkel zur Sonne bzw. starker Punktlichtquellen.

Manchmal kann es sinnvoll sein, zwei Aufnahmen vom „Sonnenbild“ zu machen, wobei bei der zweiten Aufnahme die Sonne abgeschattet wird. Beide Aufnahmen werden dann im Photoshop übereinander gelegt, wobei die Lensflares wegmaskiert, d.h. durch Bestandteile des anderen Bildes ersetzt werden. Für einen natürlichen Bildeindruck kann man anschließend den Bereich um die Sonne etwas aufhellen, z.B. mit dem Abwedler-Werkzeug in Photoshop.

Das Sonnenbild mit Lensflares Anschließend wurde die Sonne abgeschattet Das Ergebnis aus der Kombination beider Bilder
Das Sonnenbild mit Lensflares beim
Canon EF 4/17-40 L USM
Anschließend wurde die Sonne abgeschattet Das Ergebnis aus der Kombination beider Bilder
Ein Kugelpanorama mit dem Distagon 2,8/21 mm

Da mir persönlich das Distagon 2,8/21 mm am besten gefallen hat, habe ich mit diesem Objektiv ein Kugelpanorama im Doppelkegel der Münchner BMW Welt erstellt (vielen Dank an BMW für die freundliche Genehmigung) und zwar in der größten möglichen Auflösung meiner Canon 5D Mk II. Ich erhielt somit ein Panorama mit beachtlichen 263 MPixel. Ich machte hierzu insgesamt 24 Aufnahmen und benutzte dazu das Novoflex VR-System PRO II:

  • 10 Aufnahmen mit Kameraausrichtung auf den Horizont (alle 36 Grad),
  • 6 Aufnahmen vertikal um 45 Grad nach oben geneigt (horizontal alle 60 Grad),
  • 6 Aufnahmen um vertikal 45 Grad nach unten geneigt (horizontal alle 60 Grad)
  • und jeweils eine Aufnahme vom Zenit und Nadir.

Die Lichtsituation konnte man an diesem Ort sicherlich als schwierig bezeichnen. Zwar war die Beleuchtung relativ gleichmäßig, allerdings wurden viel Punktlichtquellen, spezielle LED Strahler eingesetzt, von denen einige zwangsläufig auf die Kamera ausgerichtet waren. Trotz dessen, bzw. durch das gute Gegenlichtverhalten des Distagons erhielt ich nur zwei kleine, charakteristische Lensflares, die ich per Photoshopretusche unproblematisch eliminiert konnte.

Einer von mehreren LED-Strahlern, die direkt ins Objektiv leuchteten Ein daraus entstandener Reflex, der leicht retuschiert werden konnte Das fertige Kugelpanorama (klicken Sie auf die Kugel)
Einer von mehreren LED-Strahlern, die direkt ins Objektiv leuchteten Ein daraus entstandener Reflex, der leicht retuschiert werden konnte
Das fertige Kugelpanorama (klicken Sie auf die Kugel)
Fazit

Canon EF 4/17-40 L USM – der bewährte Allrounder

Mein bewährtes Standardzoom für die Panoramafotografie hat viele Vorteile. Gerade wenn man einzeilig arbeitet kann man schnell die Brennweite den jeweiligen Gegebenheiten anpassen. Im Entfernungsbereich bis 20 m arbeitet man beispielsweise häufig bei 17 mm Brennweite (Beispiel), im Fernbereich dagegen bei 40 mm (Beispiel). Ein Zoom eben, bei dem sogar der Nodalpunkt über alle Brennweiten fast konstant an derselben Stelle steht. Abbildungsfehler lassen sich hervorragend mit der Software im Lieferumfang der Kamera (Digital Photo Professional) korrigieren, da der Hersteller ein spezielles Profil für dieses Objektiv in seiner Software anwendet. Einzig beim Gegenlichtverhalten muss es sich einer guten  Festbrennweite, wie z.B. den Zeiss Distagonen geschlagen geben.

Zeiss Distagon T* 3,5/18 mm – im Gegenlicht die bessere Alternative

Das 18 mm Zeiss Distagon zeigt etwa die gleiche Schärfeleistung wie das Canon EF 4/17-40 L USM in getesteten Blendenbereich. Die Verzeichnung ist optisch gut korrigiert, was beim Canon Zoom per Software erfolgen muss. Das gute Gegenlichtverhalten und die kompakte Bauform sind weitere Pluspunkte für Zeiss. Als Festbrennweite ideal für höher aufgelöste Kugelpanoramen oder Zylinderpanoramen im Nah- oder mittleren Entfernungsbereich (Straßenszenen, Innenräume, Architektur ect.). Wer ohne Autofokus auskommt und die hochwertige Haptik des Gehäuses zu schätzen weiß, wird viel Freude mit dieser exzellenten Optik haben.

Zeiss Distagon T* 2,8/21 mm – ideal für hohe Auflösung und stille Motive

Dieses Objektiv ist sicherlich etwas für Leute mit höchsten Ansprüchen, die vor allem mehrzellig arbeiten. Durch die etwas längere Brennweite gegenüber dem 18 mm Distagon sind ein paar Bilder mehr bzw. noch eine Zeile darüber nötig, um auf den gleichen Bildwinkel im Ergebnis zu kommen. Natürlich steigert dies die Auflösung und somit die Qualität des fertigen Panoramas. Allerdings sollte man bedenken, dass man dadurch deutlich mehr Zeit für das Aufnehmen der Szenerie benötigt. Schnell wechselndes Licht oder sich bewegende Menschenmengen können so zum Problem werden. Für das stille Motiv kann man sich aber kein besseres Objektiv in diesem Brennweitenbereich wünschen. Dies können z.B. Kirchen, Museen oder andere Innenräume mit vielen Punktlichtquellen sein. Das hervorragende Gegenlichtverhalten hat mich vollends überzeugt. Die hohe Lichtstärke ist in der Panoramafotografie (außer für das bessere Fokussieren) allerdings nicht unbedingt nötig. Zusammen mit der Metall-Glas Konstruktion macht sie das Objektiv schwer und leider auch teuer. Nicht vergessen sollte man den emotionalen Wert dieses Objektivs mit hochwertiger Verarbeitung. Manuelles Scharfstellen kann durchaus Spaß machen!

Zum Schluss

Mein Canon Weitwinkelzoom ist sicherlich der beste Allrounder und besticht durch ein exzellentes Preis/Leistungsverhältnis. Die weitwinkligen Zeiss Distagone sind Spezialisten, die in bestimmten Situationen das bessere Ergebnis liefern. Der Allrounder ist bei Abwägung aller Kriterien vernünftig, den Spezialisten gönnt man sich, ähnlich wie bei der Kaufentscheidung zwischen VW Golf oder Porsche, Panasonic oder Leica M.


Jan Röpenack, Februar 2010
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